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Transformation als Chance

Wo immer über ländliche Räume gesprochen wird, geht es auch um demografischen Wandel und Strukturentwicklung. Eine Transformation – also eine Umwandlung – ist gefordert, scheint unausweichlich bzw. ist bereits in vollem Gange. Mit unserer Bildungsarbeit wollen wir weniger Antworten als vielmehr Anregungen für eigene Fragen liefern.

Demografischer Wandel

Beim Wort Demografie denken die meisten von uns sofort an die Überalterung der Gesellschaft und haben die dazugehörigen, einem Baum ähnelnden Diagramme vor Augen (z.B. des Statistischen Bundesamts). Für ländliche Räume ist diese existenziell und dreht sich vorwiegend um die Frage der Daseinsvorsorge. Verschärft durch die demografische Tendez der Verstädterung stellt sich die brennende Frage: Wie können Nahversorgung, medizinische Hilfe, öffentliche Einrichtungen etc. bei alternden bzw. schwindenden Einwohner*innen aufrecht erhalten bleiben?

Wer hier nicht nur reagieren und Löcher stopfen will, für den rücken Kinder, Jugendliche und ihre Familien in den Mittelpunkt. Die Hoffnung ist groß, dass sie ländliche Räume (neu) beleben. Auch wir glauben hieran, widmen uns dieser Seite der Demografie-Medaille aber noch aus einem anderen Grund. Denn Landflucht, Versorgungsdefizite sowie fortschreitende Individualisierung wirken sich auch direkt auf die veränderten Bedingungen und Bedürfnisse aus, die junge Menschen auf dem Land haben. Sie sind also nicht nur Antwort, sondern stellen auch neue Fragen.

Vom Neben- zum Miteinander

Die Bevölkerungsentwicklung hat für die gesamte Bundesrepublik neben Überalterung und Verstädterung noch einen dritten zu beobachtenden Effekt – der für ländliche Räume zugleich eine große Herausforderung als auch Chance ist: die kulturelle Durchmischung. Und diese wird in Zeiten globaler Krisen eher zu- als abnehmen. Haben sich die sogenannten “Gastarbeiter*innen” der vergangenen Jahrzehnte aufgrund ihrer Arbeitsplätze vorwiegend in städtischen Räumen niedergelassen, kommen durch Fluchtbewegungen auch Einwohner*innen ländlicher Gemeinden unmittelbar mit Migration in Kontakt.

Zuwanderung ist für ländliche Räume zugleich Chance als auch Herausforderung. Und wenn wir von kultureller Durchmischung sprechen, dann meinen wir nicht einmal die unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen. Auch in unserer Arbeit haben wir schon erlebt, wie selbst der Zuzug von “Städtern” zu einem kleinen “Kulturschock” geführt hat. Die Alteingesessenen machen den Vorwurf des mangelnden Engagements im Vereinsleben. Die Neuzugezogenen kritisieren eine mangelnde Öffnung.

Wer aus den demografischen Herausforderungen eine Chance machen will, der muss dem Nebeneinanderher-Leben etwas entgegensetzen. Wir möchten dabei helfen, Anlässe der Begegnung zu schaffen, in den Austausch zu kommen, Erwartungen zu klären und gemeinsame Energien freizusetzen.

Zukunftslabor “Land”

Denn wo ein Miteinander gelingt, sind Innovation und Kreativität auch eine Stärke von ländlichen Regionen. Häufig aus der Not heraus geboren, macht ihr Ideenreichtum sie zukunftsfähig und resilient. Breitbandinitiativen, Bioenergiedörfer und selbsteröffnete Schulen sind nur einige Ideen einer nachhaltigen, gemeinschaftlichen und neu gedachten Lebensweise, von der sich auch städtische Räume inspirieren lassen (können).

Wenn mit einer besseren Internetversorgung ortsunabhängiges Arbeiten erleichtert wird, dann können die Vorzüge ländlicher Regionen wie Natur, Gemeinschaft und Entschleunigung für viele Menschen sogar die einer Stadt überwiegen. Das zeigt sich an der steigenden Tendenz von Coworking-Spaces und Start-Ups, und mit ihnen die Zahl der Kreativen, die sich bewusst “auf dem Land” niederlassen. Wir wollen das vielfältige, zukunftsweisende Potential eurer Region und eurer Gemeinschaft gemeinsam zum Vorschein bringen. Damit ländliche Räume als die Pioniere des Wandels wahrgenommen werden, die sie sein können.

Kontakt

  • Julian Lucas
    Referent für politische Bildung und nachhaltige ländliche Entwicklung
    0 22 24. 94 65-41
  • 10 Thesen

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